Weg damit!

Dies ist ein Entwurf zu einem Text von vor ein paar Jahren, der nie fertig und veröffentlicht wurde… Also, jetzt mit allen Fehlern, Unstimmigkeiten, Übertriebenem, Pubertärem und Überholtem raus und weg damit. 

Eine mögliche Idee hinter einer und ein möglicher Grund für eine solche Filmreihe:

Nachdem sie (jeder denke sich hier seinen Teil, oder setzt dort ein wen oder was er will) uns vor allem im Namen des Fortschritts, (in Wirklichkeit natürlich auf Grund von Gier, Macht, Geld, Kontrolle) genommen haben, an was wir glaubten, für was wir schwärmten, schwitzten, kämpften, bzw. was einfach Zeit und Leben ausmachte und nachdem wir nun sehen, bzw. sehen könnten und sollten, was uns das eigentlich wert hätte sein sollen (wie Schallplatten, Mixtapes, Telefonzellen, Zeit, Ruhe, Ideale, Utopien, Unerreichbarkeit, Unüberwachtheit, sprich Freiheit, Gedankenlosigkeit, Rauchen, Analoges, Handschriftliches, Haare, die Post…) bieten sie uns (schon eine ganze Weile, aber nun) endgültig, unverblümt den Kapitalismus, (das Digitale, die Vernetztheit, die Sicherheit, etc.) und alle Begleiterscheinungen, bzw. Rechtfertigungen als die wahre, einzige und zeitgemässe Alternative an: die Bioläden, die Energiesparlampen, Fitnessstudios, das iPhone, die Bugaboo Kinderwägen, Facebook, Prenzlberg, die Sicherheit, die 80er mode, …

Und als wäre das nicht schon anstrengend und langweilig genug, sollen wir auch noch belanglose, feige, langweilige, spiessige, reaktionäre Filme sehen, die nicht irritieren, stören, ärgern, Fragen stellen, sondern Trost, Entdeckung, Glück, Antworten, Möglichkeiten, etc. auf einem sehr beschränkten Niveau und in einem sehr übersichtlichem (und derem) System von Familie, Arbeit, Geld, Leistung und/oder (kapitalistischer) Moral bieten oder zeigen.

Klar, wir wollen unterhalten werden (und alles andere auch), aber ohne diese durch die Hintertür, immer öfter auch ohne Scham aufdringlich durch die Vordertür, kommenden (verlogene/n, unserer Meinung nach falsche/n) Moral, Werte, Lebensweisheiten, Trost und (vermeintlichen) Antworten. Wir haben unsere eigenen (erprobten) Werte, unsere eigenen Fragen (oder wenn wir auf der Suche sind, wollen darin ernst genommen werden), bezüglich Familie, Geld, Freundschaft, Amerika, des (kapitalistischen) Systems und so weiter.

So aber wird uns gezeigt, wie wir leben sollen, so dass es uns besser geht als unserem Nachbarn, unser Chef aber ein guter ist und bleibt, auf den wir nicht neidisch sein sollten. Geld von Arbeit kommt, harte Arbeit sich lohnt, und auch wir alles erreichen können, wenn wir nur wollen, und wenn es nicht klappt, dann wissen wir, es war nur unsere Schuld oder, dass es gar nicht so schlimm ist, weil, eben auch und gerade einfache Menschen so glücklich mit ihrem einfachen, (in Wirklichkeit erfolglosen, einem Zugang zu grösserem, mehr, anderen Möglichkeiten, Glück, Wohlstand, Gesundheit, Geld, etc. verweigertem) Leben sind, sein könnten und sein sollten.

Diese Filme, Menschen wollen keine Fragen stellen, lassen keine Fragen zu und geben Antworten auf Fragen, die wir selber nie stellen würde. Sie tun dabei so, als ob diese Fragen (von uns) gestellt wurden und liefern eine (somit falsche, manipulative, mitunter, für uns, die angeblichen Fragesteller, verheerende) Antwort. Die von niemandem gestellte, Frage ist dabei aber nur ein Konstrukt und nicht vorhanden, nicht gestellt, um eine Antwort zu geben und zu verkaufen, die denen gefällt. So nimmt man leider zu oft die Antwort ungeprüft (der nicht vorhandenen Frage) an und vergisst, dass man diese Frage nie gestellt hat (und somit die Antwort keine ist, bzw. nichts taugt und (emotional, praktisch, persönlich, gesellschaftlich, heute, morgen) auch gefährlich, zumindest kontraproduktiv und im schlechten Sinne beruhigend, im Sinne von ruhigstellend, ist).

Aber wir sind nicht zufrieden, es gibt gute Gründe es nicht zu sein und nach einer Romantic Comedy geht es uns nicht besser.

Und wie könnte es anders sein?

Auch das können und sollten und müssen Filme, zeigen, Menschen sagen, (alternative Vorstellungen, Lebensformen, Ästhetik, Ideen zeigen, Fragen stellen) damit wir wissen, sehen, ahnen, wofür und wogegen es sich zu kämpfen lohnen könnte oder welche Fragen wir stellen sollten oder könnten, sehen und fühlen, dass wir, und unser Nachbar auch, in unseren Bedürfnissen, Ängsten, Gefühlen, Ärger, Ideen, Verzweiflung, Freude ernst genommen werden, aber auch in unseren Wünschen und Verlangen nach Veränderung, Stabilität, Idealen, Ideen, Fragen, wie wir leben könnten, mehr, anderem.

Wir wollen und vermissen Utopien. Wir kennen und vermissen die (daraus resultierende und manchmal nur 5 Minuten anhaltende) veränderte Wahrnehmung nach einem Film, dem Verlassen des Kinos, auf die sonst so gewohnten Dinge.

Wir sehen Filme nicht des Film willens, nicht wissenschaftlich, nicht (film)historisch, es geht uns um das Gezeigte, aber vor allem das daraus (emotional, praktisch, persönlich, gesellschaftlich, heute, morgen) Resultierende.

Wir wollen keine Antworten auf ungestellte Fragen, wir wollen gar keine Antworten. Wir wollen ernstgenommen werden in und mit unseren Fragen, Wünschen, Ängsten… Wir wollen Fragen stellen, wir wollen, dass Fragen gestellt werden, denn es geht natürlich erstmal immer um die Fragen, bzw. um das Finden der (emotional, praktisch, persönlich, gesellschaftlich, heute, morgen, richtigen) Fragen.

“Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!” Günther Eich (und ein von Amos Vogels “Lieblingszitaten”)

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